automatisiertes Fahren

Blick in die Zukunft

Automatisiertes Fahren – Chancen und Risiken

Auf Einladung der Sektion Zürich erfuhren die ACS-Führungskräfte von kompetenten Referenten, wie diese die Mobilität der Zukunft sehen und wie sie deren Chancen und Risiken einschätzen.

Es war ein spannender Samstagmorgen auf der Geschäftsstelle der ACS-Sektion Zürich. Präsidentin Ruth Enzler und Direktor Lorenz Knecht hatten mit INFRAS-Geschäftsleitungsmitglied Markus Maibach, ein Spezialist für Verkehrsökonomie und Verkehrsprojekte, Yves Grossenbacher vom ACS-Partner Zurich Versicherung sowie Roman Cueni, Leiter Mobilitätslösungen der PostAuto Schweiz AG, drei hochkarätige Referenten eingeladen. Als Automobil Club wolle man sich frühzeitig ein Bild machen, wo die Reise hingehe. «Das ist für den ACS und seine zukünftige Rolle als Mobilitätspartner entscheidend», unterstrich Ruth Enzler. «Autonomes Fahren gibt es schon lang», skizzierte Referent Markus Maibach einleitend auf. Bisher jedoch nur in geschlossenen Systemen wie dem Sky Train in Vancouver, der Ringline in Singapur oder der Sky Metro im Flughafen Zürich. Bei den Autos sei man nun aber daran, wegweisende Schritte in diese Richtung einzuleiten. Die US-Kult-Krimiserie Knight Rider mit dem autonom fahrenden Sportwagen K.I.T.T. , einem schwarzen Pontiac Firebird

Die Mobilität verändert sich in den nächsten 20 Jahren massiv

Trans Am, der denken, sprechen und selbst fahren kann, wird beinahe 30 Jahre später also immer mehr zur Realität. Bei der Entwicklung des Autos der Zukunft arbeiten die Automobilindustrie, die Big-Data-Industrie, die ICT- und die Telecom-Branche eng zusammen.

Maibach skizzierte die sechs Niveaus des automatisierten Fahrens auf. Aktuell befinde man sich im Übergang von Stufe 1 (Assistiert) zu Stufe 2 (Teilautomatisiert), bei welcher der Fahrer das System immer noch dauerhaft überwachen müsse. Ab dem nächsten Niveau (Hochautomatisiert) müsse er dies dann zwar nicht mehr dauerhaft tun, aber zumindest in der Lage sein, mit ausreichender Zeitreserve wieder die Kontrolle zu übernehmen. Die Stufe 4 (Vollautomatisiert) erfordert keinen Fahrer mehr im spezifischen Anwendungsfall, weil das System alle Situationen automatisch bewältigen kann. Auf der finalen Stufe 5 (Fahrerlos) übernimmt das System die Fahraufgabe vollumfänglich bei allen Strassentypen, Geschwindigkeitsbereichen und Bedingungen.
Entscheidendes zur automatisierten Mobilität werde die vernetzte Intelligenz beitragen. Das Auto der Zukunft, von denen erste Prototypen derzeit auf deutschen Strassen getestet werden, sind mit umfangreichen Systemen ausgerüstet wie Videokameras, Laserscanner, Rundum-Laserscanner, GPS-System und Radarsensoren. Der Computer wertet die gesammelten Signale aus und steuert damit die Bremsen, die Beschleunigung und das Lenken des Fahr- zeuges. Die Software kennt und berück sichtigt dabei die Verkehrsregeln. Aktuell dient die Autobahn zwischen Nürnberg und München als digitales Testfeld. Als wichtige Grundvoraussetzung sieht Markus Maibach die Entwicklung eines einheitlichen Standards.

Taxi und Postauto fahren autonom

Daneben wird die Zukunft neue Mobilitätsformen hervorbringen. Dazu gehören unter anderem das automatische Taxi, das Car and Ride Sharing und das Chauffeurlose Fahren von öffentlichen Verkehrsmitteln wie dem Bus oder Postauto. Interessant sei auch das Projekt, welches den Warentransport auf eine unterirdische Cargo-Metro verlagert, die die Schweizer Grossstädte dereinst verbinden soll. Derzeit befindet sich das automatisierte Fahren in der 2. Phase, welche dann ab 2018 in die 3. Phase übergehen wird. Die vierte Stufe (Vollautomatisiertes Fahren) dürfte ab 2025 schrittweise eingeführt werden. Bis dies flächendeckend zu 100 Prozent der Fall sein wird, werden voraussichtlich weitere 40 bis 50 Jahre verstreichen.

automatisiertes Fahren

Versicherungen müssen umdenken

Das zukünftige automatisierte Fahren wird auch für die Versicherung eine Herausforderung. Yves Grossenbacher vom ACS-Partner Zurich zeigte wichtige Fragen auf, auf die es eine Antwort zu finden gilt. Wie können autonome Fahrzeuge tarifiert werden, wenn der Lenker als Risikofaktor wegbleibt? Heute setzt sich die Tarifierung aus den Fahrzeug-, Umgebungs- und Lenkermerkmalen, aus Leistungsumfang und Schadenerfahrung zusammen. Anstelle der Lenkermerkmale werden die Fahrdaten rücken. Aber wer haftet beim Vollau- tomatisierten Fahren? Im Oktober 2015 setzte Volvo hierzu ein dickes Ausrufezeichen. Der schwedische Hersteller will für seine automatisierten Autos selbst haften! Diese Politik dürfte Schule machen, denn schliesslich wird das Auto der Zukunft nicht mehr vom «Fahrer», sondern von den vom Hersteller eingebauten Systemen «gelenkt». Das Umdenken bei den Versicherern hat begonnen. Welche neuen Themen können in die Versicherungsprodukte einfliessen? Die Autoversicherung wird bereits in zehn Jahren deutlich anders ausgestaltet sein.

Auch veränderte sich der Mobilitätsanspruch der Jugendlichen. Der Erwerb eines Führerausweises mit 18 Jahren sei schon heute kein primäres Ziel mehr, so Grossenbacher. Der Erstkontakt mit der Versicherung sei immer seltener die Auto-, sondern eher die Reise- und Gepäckversicherung, verdeutlichte er den Wandel. Klar sei des halb, dass sich für die Versicherer die Tarif- und Produktegestaltung nachhaltig verändern werden.

 

Fotos: zVg

Autor: Markus Rutishauser

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