Bergrennen Gurnigel 2016

Bergrennen Gurnigel

Das Beste zum Schluss

Das 47. Nationale Bergrennen Gurnigel war in jeder Beziehung ein Erfolg und krönte die abgelaufene Schweizer Rennsaison. Zum guten Gelingen trug der ACS Bern als Partner des Organisators Verein Bergrennen Gurnigel bei.

Die Sektion Bern des in Sachen Automobilsport viel Pionierarbeit leistenden ACS rief ihre Mitglieder vor 106 Jahren zur Teilnahme an einer «interessanten Bergfahrt auf der kurvenreichen Bergstrecke von Dürrbach nach dem Gurnigel-Hotel» auf. Damals ahnte keiner, dass dies den Anfang einer anhaltenden Erfolgsgeschichte werden sollte. Die für Tourenwagen mit Passagieren vorbehaltene Premiere vom 21. August 1910 verlief so gut, dass bis 1931 unregelmässig weitere Austragungen folgten.

Nach dem Krieg waren Naturstrassen für Autorennen nicht mehr gefragt, und so ging die Rennstrecke im malerischen Gantrischgebiet in Vergessenheit. Auf der Suche nach einem Ersatz für das Bergrennen Mitholz–Kandersteg stiess der ACS wieder auf die Strecke von Dürrbach ins Gurnigelbad. Diese war inzwischen mit Asphalt versehen worden. Die Neuauflage erfolgte im Oktober 1968, und zwei Jahre später zählte das Bergrennen am Gurnigel erstmals und bis heute ununterbrochen zur Schweizer Meisterschaft. Für die meisten Teilnehmer ist es der krönende Abschluss der Saison, selbst wenn diese noch nicht ganz beendet ist.

Bestbesuchtes Rennen zum Saisonende 2016

Wie beim grossen 100-Jahr-Jubiläum anno 2010 spielte am 10./11. September das Wetter mit, sodass rund 15‘000 Zuschauer das zweitägige Geschehen bei besten äusseren Bedingungen verfolgten. Damit gehört das Gurnigelrennen zu den bestbesuchten Veranstaltungen ihrer Art im deutschsprachigen Raum. Umso schöner ist es für die Fahrer, wenn es vor dieser eindrücklichen Kulisse mit dem Klassensieg, womöglich in Rekordzeit, oder schlicht einer persönlichen Bestleistung klappt.

Eric Berguerand behauptet Favoritenrolle

Der absolute Streckenrekord, den Marcel Steiner mit dem optimalen Osella FA30 im Rennen von 2012 in 1:41,39 Minuten (133,255 km/h) aufgestellt hatte, blieb zwar unangetastet. Dem seit 2013 am Gurnigel ungeschlagenen Eric Berguerand ging es jedoch nicht darum. Der 37-jährige Walliser ging keine unnötigen Risiken ein, um sich schon beim vorletzten SM-Lauf den Titel zu sichern. Dazu musste er in der Addition der beiden Laufzeiten nur vor seinem stärksten Gegner in der Meisterschaft liegen – und der hiess Marcel Steiner.

Nachdem Co-Favorit Joël Volluz durch einen Unfall beim EBM-Lauf in St. Ursanne aus dem Titelkampf ausgeschieden war, rutschte der erfolgreiche Routinier aus Oberdiessbach in die Rolle des ersten Herausforderers. Fahrkönnen und Heimvorteil konnten Steiners mangelnde Fahrpraxis mit dem neuen LobArt-Mugen V8 aber nicht kompensieren. Ihm fehlt noch das Vertrauen in den italienischen Sportwagen, um das Letzte aus ihm rauszuholen. „Der LobArt fühlt sich ganz anders an als der Osella, zudem ist es das erste Mal, dass ich für die Entwicklung eines solchen Fahrzeugs zuständig bin“, begründet Steiner sein Manko.

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1 Motivation für die Fahrer: Die Zuschauerkulisse spornt Fahrer wie Reto Meisel in seinem Gruppe-E1-Eigenbau zu Höchstleistungen an.

2 Tagessieger und Schweizermeister 2016: Der Walliser Eric Berguerand ist mit seinem Lola FA99 seit 2013 am Gurnigel und in der Rennwagen-Meisterschaft ungeschlagen.

Charie Mann schnellste Frau im Gesamtklassement

Mit zwei guten 1:43er-Zeiten fuhr Eric Berguerand souverän zum vierten aufeinanderfolgenden Tagessieg am Gurnigel, mit dem er den vierten Rennwagen-Meistertitel in Folge sicherstellte. Nach dem mit Glück ohne Schaden am Reynard F3000 überstandenen Dreher des Trainingszweiten Simon Hugentobler aus Suhr fuhr Marcel Steiner ebenso souverän zum zweiten Gesamtrang. Dass das Gurnigelrennen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist, bewies die Teilnahme der Engländerin Charlie Martin auf einem Norma-Honda-Sportwagen. Als schnellste Frau im Gesamtklassement (23. unter 200 Konkurrenten) durfte sie wie der Tagessieger eine wertvolle Armbanduhr von Titelsponsor Graham entgegennehmen.

Reto Meisel ist Überflieger mit 610 PS

Seine Jagd auf Gruppensiege und Rekordzeiten bei den geschlossenen Rennfahrzeugen setzte Reto Meisel am Gurnigel fort. Nachdem beim Auftakt in Hemberg ein technischer Defekt am selbst konstruierte Mercedes SLK 340 des Garagiers aus Leuggern für den Ausfall gesorgt hatte, begann er beim ACS-Bergrennen in Reitnau eine Siegesserie mit eindrücklichen Rekordzeiten. Für viele Zuschauer am Gurnigel war allein Meisels Auftritt mit dem 610 PS starken und 780 kg leichten Überflieger den Besuch wert. Wer es verpasst hat: Das nächste Gurnigelrennen findet am 9./10. September 2017 statt – die Schweizer Elite wird dann wieder am Start sein.

ACS als Partner des VBG

Bis 2005 trat der ACS Sektion Bern als Veranstalter des Bergrennens am Gurnigel auf. Danach übernahm der Verein Bergrennen Gurnigel (VBG) die Organisation. Der ACS ist seither weiterhin als Partner dabei. Drei Mitglieder der Sportkommission der Berner ACS-Sektion halfen tatkräftig mit, um einen möglichst reibungslosen sportlichen Ablauf zu garantieren. Peter Flückiger fungierte wie bei den ACS-Slaloms in Saanen und Interlaken als Rennleiter, Heinz Uhlmann als Streckenchef und Daniel Schüpbach als sein Stellvertreter.

 

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3 Sie ziehen die Fäden: Streckenchef Heinz Uhlmann und Rennleiter Peter Flückiger vom ACS Bern.

4 Der ACS fährt mit: Als Begründer des Gurnigelrennens ist der ACS heute als Partner des Veranstalters dabei.

Bilder Jürg Kaufmann, Ramon Hänggi

Autor: Peter Wyss

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