Schweizer Bergrennen

Motorsport

Grosse Leidenschaft – miteinander – gegeneinander

Die Rennfahrerfamilie Amweg aus Ammerswil, angeführt vom ehemaligen Bergkönig Fredy Amweg, kennen alle am nationalen Rennsport interessierten über die Landesgrenzen hinaus. Keine zehn Kilometer Luftlinie entfernt ist in Suhr familiäre Konkurrenz aus dem eigenen Kanton entstanden – allerdings wissen dies nur Insider. Simon Hugentobler ist mit Unterbrüchen seit Anfang der 90er-Jahre im Schweizer Automobilsport aktiv, 2016 trat Robin Faustini in die Spurrillen seines Vaters – Mama Sara Faustini vermochte den Sohn nicht davon abzubringen. Während sich die ebenfalls gemeinsame Tochter Livia als Springreiterin mit einer Pferdestärke abgibt, sind es bei ihren zwei Männern beinahe 500 PS.

Dabei beginnt bei beiden alles ziemlich harmlos. Hugentobler sucht sich wie mancher Neueinsteiger im Automobilsport einen Markenpokal aus. Der gelernte Karosseriespengler erzielt nur wenige Erfolge. Schnell ist er immer, aber oft zu ungestüm. Aus finanziellen Überlegungen folgt eine fast 17-jährige Pause, ehe der Suhrer gestärkt zurückkehrt – mit einem Reynard aus der ehemaligen Formel 3000. Der Rennsport liess ihn nie los. «Ich sah diese Rennwagen im Rahmen der Formel 1 und setzte mir in den Kopf, einen solchen anzuschaffen.». Es ist die Initialzündung für das heutige Vater-Sohn-Team.

Robin Faustini ist dabei, als sein Papa 2011 sein Comeback mit einem Formel Renault gibt und im Jahr darauf erstmals mit einem F3000-Boliden startet. Fortan ist es auch um den Jugendlichen geschehen, zumal er sieht, wie gut sich sein Vater anstellt. Hugentoblers Resultate gipfeln im jeweils dritten Schlussrang der Schweizer Bergmeisterschaft 2013, 2014 und 2016.

Robins rennbegeisterter Grossvater überhört die Signale des jüngsten Sprosses nicht und hilft bei dessen Karrierestart und späteren Sprüngen mit einem Zustupf. Schöner Nebeneffekt: So können sie gemeinsam etwas machen, was Spass macht. Aus dem Üben im kleinen Renault bei Track Days wird 2016 die erste volle Rennsaison. Just als Volljähriger ist Robin Faustini der mit Abstand jüngste Rennwagenpilot bei Schweizer Bergrennen. Zwar chancenlos in seiner von stärkeren Wagen dominierten Klasse, beweist der Jüngling sein Gespür aber mit ansprechenden Laufzeiten.

Die ersten Wünsche des Juniors, daraufhin bereits in einen Reynard F3000 umzusteigen, erstickt der Papa zunächst im Keim. Als Dank für die Helferdienste des Sohnes bei seinen eigenen Einsätzen und für dessen erfolgreich absolvierter Lehre als Sanitärinstallateur lässt er sich aber
zu einem Probestart im Frühling 2017 hinreissen. Das Bergrennen Eschdorf in Luxemburg, wo schon Hugentobler begann, ist wegen der guten Streckenbeschaffenheit die ideale Bahn. Der Funke springt über und Robin ist daraufhin nicht mehr vom Wechsel in die Formel-3000-Klasse abzubringen. Das familieninterne Duell ist lanciert, aber leider nicht mehr zu Lebzeiten des verehrten Grosspapas Hugentobler.

Im Kopf des Vaters mischen sich allerdings Stolz und Sorge, weil ein solcher Rennwagen kein ungefährliches Spielzeug ist. «Ich musste mich selbst beruhigen», gibt dieser zu. «Aber ich sah anhand von Videos, wie gut und vernünftig Robin mit diesem Auto umgeht.». Sogar besser als erwartet: Schon beim dritten Schweizer Bergrennen in Anzère schnappt ihm sein 19-jähriger Sohn den sicher geglaubten dritten Platz vor der Nase weg und stellt sich neben die Überflieger Marcel Steiner und Eric Berguerand aufs Podium. Nie zuvor hat Simon Hugentobler eine Niederlage weniger ausgemacht – zur Gewohnheit lässt er dieses Gefühl aber nicht werden. Bei den nächsten paar Bergrennen behält der Routinier mit seinem Reynard 97D wieder die Oberhand über den Newcomer aus dem eigenen Haus mit dem älteren 92D.

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Immerhin weiss Robin Faustini seither, was er will, nämlich rasch weiterkommen. Und dazu muss ein moderneres Rennfahrzeug her. Und so schlägt er zu, als der Reynard K01 des französischen Vizemeisters für 2018 zum Verkauf steht. Derweil entscheidet sich Simon Hugentobler mit einem in Italien erstandenen Osella PA30 zum Wechsel zu den Sportwagen. Beide haben weiterhin ähnlich starke Dreiliter-V8-Rennmotoren im Heck und bleiben so direkte Gegner im Kampf um die Podestplätze im Gesamtklassement. Wegen eines Unfalls – Sturz mit Schulterbruch beim Anschieben von Robins Reynard – muss Hugentobler sein Osella-Debüt allerdings vom Frühling auf den Spätsommer 2018 verschieben.

Seither stehen wieder beide Namen auf den Startlisten, und dies unter der Bewerbung des ACS. Mit dem Club verbindet Simon Hugentobler eine langjährige Mitgliedschaft. Einen der Vorteile erfuhr er in einer Notsituation – als nämlich das Zugfahrzeug im Ausland schlapp machte. «Der Pannendienst hat funktioniert, alles war top organisiert. Wir sind extrem zufrieden und waren weniger spät als befürchtet wieder zu Hause.». Schnell ans Ziel zu kommen ist schliesslich das Ziel jedes sportlichen Automobilisten.

Bild: Peter Wyss

Autor: Peter Wyss

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