Peter Flückiger

Interview mit «Pesche»

Peter Flückiger über die Slaloms in Interlaken und Saanen

Am 30. April und 14. Mai führte die ACS Sektion Bern die beiden traditionellen Slaloms in Interlaken und Saanen durch. Kopf der beiden Veranstaltungen, die 2016 Jubiläen feierten, ist der versierte Rennleiter Peter Flückiger.

Ohne ihn läuft nichts. Zumindest nicht ohne seine monatelange Vorarbeit. Peter Flückiger ist der Drahtzieher hinter den beiden ACS Slaloms auf den Flugplätzen von Interlaken und Saanen. Seit 2013 folgen sich diese zur Schweizer Slalom-Meisterschaft zählenden Rennen jeweils im Frühjahr kurz hintereinander. Das verlangt für Flückiger und seine Kollegen von der Sportkommission der ACS Sektion Bern organisatorisches Geschick und Weitblick. Denn trotz der Routine steckt stets viel Detailarbeit hinter den zwei traditionellen Berner ACS Veranstaltungen.

Seit bald 50 Jahren ist «Pesche», wie ihn alle nennen, als Funktionär dabei. Er hat sich dabei vom Streckenposten zum Rennleiter hochgedient. Als Ernst Schneiter das verantwortungsvolle Amt bei diesen zwei Slaloms abgab, übernahm sein langjähriger Wegbegleiter diese Aufgabe und sorgte mit seinem unverzichtbaren Helferstab dafür, dass 2016 gleich ein doppeltes Jubiläum gefeiert werden konnte: Zum 20. Mal fand der Nationale ACS Slalom in Interlaken statt. Vor 40 Jahren trug die Berner Sektion den 1. Slalom Saanen aus. Eine Premiere mit Hindernissen, fiel sie doch am 24. April 1976 dem Schneefall in der Nacht zum Renntag zum Opfer, worauf sie am 28. August mit Erfolg nachgeholt werden konnte. Ein Spagat, der heute kaum vorstellbar ist. Die beiden Flugplätze müssen für jegliche Zweckentfremdung nicht nur dieser Art Monate im Voraus reserviert werden.

Peter Flückiger

Naturereignisse wie im April 1976 würden in der Gegenwart zur ersatzlosen Absage führen. Das Wetter ist denn auch das einzige, was Peter Flückiger nicht organisieren kann, im Hinterkopf aber doch ins Kalkül zieht, um notfalls alles Menschenmögliche zur Rettung «seiner» Veranstaltung zu machen. Erinnert sei an den Slalom von Ambri, der am ersten Samstag im Oktober 2013 für die LOC-Lizenzierten aufgrund der Schneemenge abgesagt werden musste und dank der Wetterbesserung am Sonntag und der grossangelegten Räumungsaktion mit vereinten Tessiner und Berner Kräften gerettet werden konnte.

Hinter jeder Veranstaltung steckt ohnehin eine ganze Region, die vorab ihren Segen dazu geben muss. Stehen die von den Flugplatzverwaltungen festgesetzten Termine fest, holt Flückiger von umliegenden Gemeinden und den Behörden alle nötigen Bewilligungen ein. Tradition hin oder her, das muss jedes Jahr von Neuem und wegen der zeitlich nahen Termine der beiden Veranstaltungen nahezu parallel getan werden. «Mit der Zeit», freut sich der doppelte Rennleiter, «sind zwischen uns und den Behörden sogar Freundschaften entstanden. Es herrscht gegenseitiges Vertrauen, sodass auf das eine oder andere Meeting verzichtet oder es auf dem kleinen Dienstweg erledigt werden kann.»

Nur das Wetter kann er nicht organisieren

Viele Schriftwechsel und Telefongespräche nimmt ihm das Sekretariat der ACS-Geschäftsstelle in Bern ab, doch laufen schliesslich alle Fäden bei Peter Flückiger zusammen, dem die Gesamtverantwortung obliegt. Dazu gehört auch die Rekrutierung aller Helfer und der treckenposten, ohne die kein Autorennen gestartet werden kann. Sie sind denn auch der letzte Unsicherheitsfaktor, der den ansonsten ruhigen Berner am Morgen des Renntags in Unruhe bringen kann. «Dies macht mir meistens die grössten Sorgenfalten», gibt Flückiger zu. «Viele verstehen nicht, dass wir uns an den Zeitplan und das Organigramm halten müssen.»

So kann es wie heuer geschehen, dass der Rennleiter kurzfristig Leute vom Baudienst auf einzelne Posten aufteilt, weil diese doppelt besetzt sein müssen. «Ein Mann ist kein Mann», lautet die gängige Regel für die Besetzung der einzelnen Posten. Falls also zwei, drei fest eingeplante Funktionäre unvorhergesehen fehlen oder zu spät zum Dienst einrücken, dann zeigen sich die Routine und das Improvisationstalent der OK-Leiter. Wenn dann frühmorgens der Start zu den Besichtigungs- und Trainingsläufen des ersten Feldes pünktlich freigegeben werden kann, ist dies für Peter Flückiger der schönste Moment und «eine enorme Genugtuung».

Auf der Suche nach einer neuen Rennstrecke

Verläuft seine Veranstaltung ohne Unfälle mit Verletzten, ist für ihn am Ende alles gut, egal was ansonsten sportlich ablief. Obwohl seither erst wenige Wochen vergangen sind, steckt er bereits in den Vorarbeiten für 2017. Die löchrige Piste in Saanen führte zu einer zunehmend geringeren Teilnehmerzahl, und dies ist nicht nur ihm längst bewusst, sondern sah auch der ACS-Vorstand ein. Deswegen erteilte er Flückiger den Auftrag, sich nach einem alternativen Flugplatz als Slalomrennstrecke im Kanton Bern umzuschauen. Für Thun gibt es leider keine Bewilligung, Meiringen sei fraglich, aber für St. Stephan im Obersimmental ist Flückiger zuversichtlich. «Wir sind dran», verspricht er. Und wer ihn kennt, der ahnt, dass es seine letzte grosse Herausforderung sein könnte, ein neues Rennen erfolgreich im Nationalen Rennkalender zu verankern.

In zwei Jahren wird Flückiger 75, dann möchte er etwas mehr Zeit für sich haben und das Renngeschehen unbekümmert vom Streckenrand aus beobachten. Als Ratgeber wird er diesen ACS-Veranstaltungen aber zweifellos auch danach zur Verfügung stehen, solange es seine Gesundheit erlaubt.

Bilder Ramon Hänggi

Autor: Peter Wyss

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