Pro Ausbau

Mehr Sicherheit am Gotthard Tunnel

Der Gotthard-Strassentunnel ist in seiner 36-jährigen Nutzung zunehmend in die Jahre gekommen. Risse in der Decke und Rost an Armierungseisen sind deutliche Zeichen, dass eine Sanierung innerhalb der nächsten Jahre dringend ansteht, wenn die Sicherheit der Fahrer gewahrt werden soll. Am 28. Februar 2016 entschieden sich mehr als fünfzig Prozent der stimmberechtigten Schweizer Bevölkerung für die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels mit Neubau einer zweiten Röhre. Damit ist das notwendige Mehr an Sicherheit auf den Weg gebracht. Verkehrsministerin Doris Leuthard reagiert positiv auf das Abstimmungsergebnis, ebenso der ADAC.

Für den Automobil Club der Schweiz (ACS) hat im Verfahren der Aspekt zur Erhaltung der Sicherheit oberste Priorität. Wöchentlich werden Unfälle am Gotthard vermeldet. Grössere Sicherheit kann auf einer Länge von nahezu 17 Kilometern nur ein richtungsgetrennter Verkehr in zwei Röhren bewirken. Jedes Jahr passieren ca. 5 Mio. Autos und 900’000 LKW die Nord-Süd-Achse der Alpen durch den Tunnel. Lastwagen, Autos und Motorräder fädeln sich bei eingeschränkten Lichtverhältnissen auf der Strecke in eine Spur ein. Zwischen 2001 und 2014 wurden 181 Unfälle am Tunnel verzeichnet, 20 davon mit tödlichem Ausgang durch Frontalkollision.

Eine permanent verfügbare Strassenverbindung am Gotthard ist für Bevölkerung und Wirtschaft zentral

Die Sanierung mittels zweiter Röhre ist nicht allein aus sicherheitsrelevanten Abwägungen heraus die richtige Wahl. Die zweite Röhre hält Verkehrsfluss von rund 6,3 Mio. Fahrzeugen pro Jahr auf der Transitstrecke durch die Alpen während der Sanierung aufrecht. Für die Schweiz und ihre Kantone ist eine funktionierende Strassenverbindung ins Tessin und nach Italien auch wirtschaftlich relevant. Dass am Gotthard während der Dauer der Sanierung eine effiziente und den Kapazitätsanforderungen genügende Lösung umgesetzt wird, ist im direkten Interesse der Kantone. Der Güterverkehr durch den Gotthard versorgt das ganze Land. Vom Handelsverkehr an der Tessiner Grenze entfallen knapp 60% auf die Region Zürich, das Mittelland und die Nordwestschweiz, rund 30% betreffen die Ost- und Zentralschweiz und über 10% der Menge geht in die Genfersee-Region.

Im Falle einer Schliessung hätten die Fahrer auf Gotthardpass, Grosser Sankt-Bernhard-Tunnel, Simplonpass-Strasse und den San-Bernardino-Tunnel ausweichen müssen – kapazitativ ein Desaster. Der Gotthard wird aktuell höher frequentiert als die vorgenannten Alpquerungen zusammen*. In 30 bis 40 Jahren steht aller Wahrscheinlichkeit nach eine neue Renovation an – mit zwei Röhren kann diese dauerhaft noch rascher abgewickelt werden als die aktuelle Situation es erlaubt.

Gegner fürchten einen Ausbau der Kapazität anstatt nur Sanierung (Alpeninitiative), keine 60-Tönner im Tunnel

*Quelle: www.swissinfo.ch

Drei Fragen dazu an Dr. Stefan Holenstein, Generaldirektor ACS

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Der Sanierungstunnel fällt teurer aus als die Variante mit Verladestationen. Können wir uns das leisten?

Der Tunnel ist nur auf den ersten Blick teurer. Mittel- und langfristig zahlt er sich aus. Mit dem Bau einer zweiten Röhre investieren wir in eine sicherere und langfristige Infrastruktur –auch für spätere Generationen.

Was ist das Gefährliche am Gotthardtunnel?

Der Tunnel ist nicht richtungsgetrennt. Er entspricht nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards. Zwischen 2001 und 2012 gab es rund 20 Todesopfer – zum grössten Teil wegen Frontal- und Streifkollisiionen. Mit dem Sanierungstunnel wäre diese Gefahr gebannt.

Warum setzt sich der ACS trotz Alpenschutzartikel für eine zweite Röhre ein?

Aus drei Gründen ist der Sanierungstunnel die mit Abstand beste Variante: Er garantiert erstens mehr Sicherheit, stellt zweitens eine langfristige und nachhaltige Investition dar und gewährleistet drittens die Verfügbarkeit der Verbindung mit dem Tessin.

Der Gotthard in Zahlen

1970 Baubeginn
1980 eröffnet
2020 Baubeginn geplant in 70m Entfernung zur 1. Röhre
2027 geplante Eröffnung 
Danach Sanierung des jetzigen Tunnels
Ab 2030 Verkehr durch zwei Tunnel im Einspurverkehr

16’942m Länge (längster Tunnel der Alpen, drittlängster der Welt nach Lardal in Norwegen und Zhongnanshan in China)
Transit für 6,3 Mio. Fahrzeuge/ Jahr

2,9 Mrd. Franken inklusive Sanierung der bestehenden Röhre

Autor: Janine Weise

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