Vitesse 80 sur les autoroutes

Diskussion

Tempo 80 auf Autobahnen: Automobilisten schrittweise ausbremsen?

Der Bund will auf dem Schweizer Nationalstrassennetz vermehrt Tempo 80 einführen. Und damit den Verkehrsfluss verbessern – so die Argumentation. Denn tiefere Tempolimiten führen gemäss dem zuständigen Bundesamt für Strassen (ASTRA) dazu, dass es tendenziell weniger zu Staus kommt. Und damit – so die Argumentation – würden die meisten Automobilisten im Endeffekt schneller ans Ziel kommen.

Langsamer fahren, um schneller zu sein? Rein verkehrswissenschaftlich betrachtet mag diese Argumentation stimmen. Richtig ist sie aber trotzdem nicht, weil sie nämlich von falschen Maximen ausgeht: Beim Bund geht man davon aus, dass sich mit Verkehrsmanagementmassnahmen die zunehmenden Mobilitätsbedürfnisse bewältigen lassen. Und hierzu zählen partiell auch tiefere Tempolimiten.

Diese Grundannahme ist falsch, weshalb sie zu falschen Schlüssen führt. Zu den Mobilitätsbedürfnissen der meisten Automobilisten gehört es nämlich nicht nur, dass sie mit dem Auto, dem Reisemobil oder dem Motorrad von A nach B kommen wollen. Zu unserem berechtigten Bedürfnis gehört es auch, dass wir möglichst sicher und schnell von A nach B kommen wollen. Vor allem aber: Um diesem umfassenden Mobilitätsbedürfnis Rechnung zu tragen, haben die Gesellschaft und mit ihr auch die Automobilisten schon so manche Einschränkung in Kauf genommen: Tempolimiten wurden eingeführt (130 auf Autobahnen) und sodann reduziert (120 km/h), um den Verkehr sicherer zu machen. Sie wurden nicht eingeführt, um die zunehmenden Verkehrsströme zu bewältigen. Ansonsten könnte man das Autofahren ja gleich verbieten, weil man nur so Staus mit hundertprozentiger Sicherheit verhindern kann …

Mithin reiht sich die Idee, mit Tempolimiten Staus zu verhindern, in die lange Tradition der Geschwindigkeitsreduktionen ein, die vor allem ein Ziel hat: Herrn und Frau Schweizer die Freude am Autofahren zu nehmen! Es sei an dieser Stelle deshalb auch daran erinnert, dass einige unserer Nachbarländer noch höhere (oder teilweise gar keine!) Tempolimiten auf Autobahnen haben. Vor allem aber: Mit Blick auf die Verkehrssicherheit gilt es zu berücksichtigen, dass die Automobilisten immer besser ausgebildet sind und zudem auf Motorfahrzeuge zählen können, welche die Sicherheit dank modernster Rechnologie ihrerseits stets erhöhen.

Tempolimiten werden in der Schweiz heute dazu missbraucht, um den Lärm zu reduzieren – als ob jedes Fahrzeug einen V8-Motor hätte. Und seit einiger Zeit werden Tempolimiten sogar als Umweltschutzmassnahme geduldet – als ob die rund 5,9 Millionen motorisierten Fahrzeuge auf unseren Strassen „Dreckschleudern“ wären. Dass die Gemeinden und Kantone auf der anderen Seite die Kontrolldichte massiv erhöht haben und die Busseneinnahmen zu einem immer wichtiger werdenden Bestandteil der Staatshaushalte werden, ist längst bekannt.

Angesichts des berechtigten und umfassenden Anliegens der Strassenverkehrsteilnehmer, nicht nur sicher, sondern auch rasch ans Ziel zu kommen, können Temporeduktionen keine Lösung sein. Sie sind – mit Blick auf die „Blitzkasten- und Radarpolitik“ der Kantone nichts anderes als eine Schikane.

Wenn der Bund effektiv unsere Mobilitätsbedürfnisse im Auge hat, dann gibt es nur eine Lösung: Investitionen in den Strassenausbau!

Dr. Michael Gehrken, Generaldirektor a.i.

Autor: Michael Gehrken

Wie gefällt Ihnen der Artikel?:

Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

14 Kommentare

  1. 0
    0
    Harry am 11.08.2016 - 14:01

    Grundsätzlich mit Michael Gehrkens Kommentar einverstanden.
    Nur mit „modernster Rechnologie“ habe ich etwas Mühe. Vermutlich ist „modernste Technik“ gemeint.
    (Technologie wäre ja die Lehre von der Technik. Technologie ist eben nicht identisch mit dem englischen Ausdruck technology).

  2. 0
    0
    Wolfram am 02.09.2016 - 13:07

    Sehr geehrter Herr Gehrken

    Wenn ich morgens um 6:15 Richtung Zürich auf der Autobahn unterwegs bin, staut sich der Verkehr vor dem Limmatahler Kreuz und wir fahren dann etwa 20 km/h pro Stunde.
    Die Geschwindigkeitsreduktion auf Tempo 80 wird nicht zur Auflösung dieses Staus beitragen, eher der von Ihnen vorgeschlagene Ausbau des Strassennetzes.
    Des Weiteren sind wir mündige Bürger und können selber entscheiden, was eine den Verhältnissen angemessene Geschwindigkeit ist: Bei Schlechtwetter und viel Verkehr eher langsamer und bei trockenem klaren Wetter und wenig Vekehr eher schneller bis 150 km/h.
    Warum lässt sich der schweizer Mann freiwillig eine Zwangsjacke von 120 km/h oder gar 80 km/h anziehen? Steckt bei den Männern in der Schweiz noch ein wenig Kraft und Freiheitsdrang oder ist die männliche Aktivität im Zuge der Emanzipation völlig verloren gegangen?
    Also: Ich bin für Tempo 150 km/h bei entsprechendem Wetter und Verkehr und vertraue dann auf die Fähigkeit aller Schweizer, rücksichtsvoll miteinander im Verkehr umzugehen und den Schnelleren auch vorbei zu lassen. Ebenso sollte der Schnellere Verständnis für die Langsamen haben und diese auch überholen lassen und nicht sofort die Lücke zufahren.
    Freiheit ist unser höchstes Gut und dieses wird uns von den Politikern permanent und Jahr für Jahr durch unzählige Massnamen beschnitten.
    Unserer Freiheit müssen wir verteitigen! In der von den Politikern initierten Regelungswut werden wir ersticken. Wenn der Politiker mit seinem Fahrer 80 km/ fahren möchte, kann er das gerne tun. Er würde dann von einem Lastwagen überholt werden, was dann einem Stau auf der linken Spur zur Folge hat, da das Überholmanöver erst nach etwa 3 Minuten abgeschlossen sein wird.

  3. 0
    0
    Hellmuth Broda am 02.09.2016 - 13:53

    Was letztlich zählt, ist nicht, wie schnell ich theoretisch fahren könnte, sondern wie schnell sich der Verkehr bewegt. Da bei niedrigeren Geschwindigkeiten mehr Fahrzeuge auf einem Autobahnabschnitt unterwegs sind erhöht sich der Durchsatz, da es dabei auch weniger zum gefürchteten Ziehharmonika-Effekt kommt. Sobald der Verkehr etwas dichter wird, kommen mit Geschwindigkeitsbegrenzungen alle rascher ans Ziel. Die Physik ist halt mal so–auch wenn dies manchen Bleifuss-Jüngern nicht gefällt.

    Die Argumentation für höhere Geschwindigkeiten („freie Entfaltung der Geschwindigkeit“) ist deplatziert und ein Relikt des letzten Jahrhunderts. Da gab es dann ja solche Argumente wie: „Je schneller man unterwegs ist desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit in einen Unfall zu kommen, da man ja kürzer unterwegs ist.“

    Bei der heutigen Verkehrsdichte geht es darum, möglichst Unfälle und Staus zu vermeiden und gleichzeitig einen regelmässigen Verkehrsfluss zu garantieren. Und das geht halt nun mal nur mit Temporeduktion.

    Lieber ACS, schickt die, die Spass am Autofahren haben wollen in den Nordkanton auf die A5, dort können sie dann sehen wie man ohne jegliche Geschwindigkeitsbegrenzung im Stau steht. Falls das nicht reicht, kann man sie ja auf den Nürburgring schicken. Es gibt ja auch Apps, mit denen man auf dem Tablet ungestört schnell fahren kann.

    Uns andere, die mit dem Auto möglichst berechenbar und flüssig zu Geschäftsterminen oder sicher nach Hause wollen, solltet Ihr eher vertreten, als die Nürburgring-Fahrer und aufhören, Euch gegen solche sinnvollen Massnahmen zu stellen.

  4. 0
    0
    Arthur Ebnöther (70) am 02.09.2016 - 15:46

    …diese Geschwindigkeitseinschränkung sehe ich in keinem Fall der Argumente als erfüllt und leider halte ich mich heute schon an der obersten zulässigen Grenze nicht an das Gesetz – dies ist aber M E I N Problem !
    Ich sehe für eine flüssigere Abwicklung im täglichen Verkehr, dass sich jeder Autofahrer :
    a) an die (vorgeschriebenen) zugelassenen Geschwindigkeitslimiten hält…
    b) grundsätzlich auf der rechten Fahrbahnhälfte aufhält und nicht mit reduziertem Tempo auf der Ueberholspur die korrekt fahrenden Mitbenützer behindert…
    c) für Langsam- und Sonntagsfahrer ist die Autobahn kein Tummelfeld – auch für Raser und Rennfahrer nicht…

  5. 0
    0
    Tempo 80 auf Autobahnen am 02.09.2016 - 17:01

    Sehr gut
    Die Schweiz ist eines der weltweitesten Länder welches die saubersten Autos auf den Strassen hat!
    Ich wünsche mir dass die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen auf 140 erhöht werden sollte. Freiheit ist unser grösstes Gut. Ein Gedränge bei 80 mit Lastwagen wäre eine grosse Gefahr (Auffahrunfälle).

  6. 0
    0
    MB am 02.09.2016 - 17:49

    Das sehe genau auch so!! Vielen Dank für Ihren Kommentar 👍👍👍

  7. 0
    0
    Urs Peter Frey am 03.09.2016 - 10:48

    Starre Tempolimiten gelten immer, zu Stauzeiten und auch dann, wenn kaum Verkehr herrscht, aber die Blitzkästen sind Tag und Nacht in Betrieb! Um den Verkehr wirklich zu verflüssigen, müssten die Limiten flexibel an das Verkehrsaufkommen angepasst werden können.

  8. 0
    0
    Dr.Hans-Karl Sturm am 03.09.2016 - 11:59

    Lieber Herr Broda,
    bei Ihrer Schönrederei des Langsamfahrens ist schon der Ansatz falsch. Staus gibt es,
    weil zur Ferienzeit und ausgerechnet dann, wenn alles auf der Strasse ist und sich auf
    die Ferein freut, da wachsen die Baustellen wie Pilze aus dem Boden. Gibts im Winter Baustellen? Nur wenn es absolut nicht anders geht, also bei Notfällen, wenn Gefahr
    im Verzug ist. Staus sind vermeidbar, aber dann müsste man zuerst den Schwerver- kehr von der Strasse und den Autobahnen nehmen, auch die fahren 80 kmh und das fast immer.
    Wo liegt also das Problem? Den Automobilisten 80 aufs Auge zu drücken ist die in Erz
    gegossene Bankrotterklärung des Bundes, die SBB machts vor. Zwischen Aarau und
    Bern läuft es au 4 Gleisen mit über 200 kmh, bessere Argumente für den forcierten
    und ach so vernachlässigten Strassenbau gibt es nicht. In den öffentlichen Verkehr
    wird Geld en masse ( Gotthard ) gepumpt, auf den Autobahnen gibts künstliche
    Hindernisse ( Mesocco ) und man macht aus drei Fahrspuren zwei, indem am eine
    Fahrspur schliesst. Wollen wir das? Also lieber Herr Broda, erst nachdenken, dann schreiben.

  9. 0
    0
    Dr. Esther schneider Handschin am 03.09.2016 - 15:17

    Der Ausbau des Strassennetzes ist dringenst nötig, da immer mehr Häuser und Wohnungen in den agglomerationen enstanden sind und entstehen, z. B Reinach Aesch, BL.

  10. 0
    0
    Markus Rebmann am 03.09.2016 - 21:36

    Ich bin mit Herrn Dr. Gehrken voll und ganz einverstanden. Zusätzlich möchte ich noch Folgendes anführen: Die weltweit festzustellende zunehmend feindliche Haltung gegenüber dem Automobil geht von denselben mächtigen Kreisen aus welche auch die Klimahysterie schüren, die entsprechenden Protestbewegungen finanzieren und alle Andersdenkenden; Gegner und Kritiker der Klimalüge, diffamieren und angreifen. Wenn gewisse Politiker, an demokratischen Kontrollen vorbei, dieses Spiel mitspielen müssen wir uns nicht wundern wenn das Auto als das Übel aller Dinge – zum Teil mit verdeckten Mitteln – bekämpft wird.

  11. 0
    0
    Judyth Reutlinger am 03.09.2016 - 22:12

    Mit Temporeduktion bringt es gar nichts, es ärgert nur noch mehr Fahrer die möglichst
    schnell am Ziel sein müssen, ganz abgesehen von den Bussen die unweigerlich kommen
    wenn die Tempolimiten nicht in jedem Fall eingehalten werden können. Schlussendlich
    ist es nur eine Abzockerei der eiligen Fahrer(wenn sie Pressant sind.

  12. 0
    0
    K & G am 04.09.2016 - 7:43

    Wie soll eine Geschwindigkeitsreduktion dazu beitragen den Kapazität Engpass in den Griff zu bekommen. Dies funktioniert nur bei der Fluiddynamik- Lehre und auch dort kann weniger gleich mehr sein. Die Straßenplaner von damals konnten den exponentiellen Anstieg nicht voraus sehen die Auslegung von Früher ist nicht Zeitgemäss. Es wurden schlichtweg die Zeichen verkannt.

  13. 0
    0
    Alexander Steinacher am 10.09.2016 - 21:06

    Will
    man einen Stausee am unkontrollierbaren Überlaufen verhindern, weil der
    „Nachschub“ zu gross ist, öffnet man mehr Abflusskanäle. Wasser muss
    schneller ablaufen können, um den Stau zu beseitigen. Wenn bei gleichem
    Querschnitt der Abläufe die Fliessgeschwindigkeit noch ansteigen kann,
    wirkt das der Staubildung entgegen. Wenn man andererseits stauen will,
    bremst man die Abflussgeschwindigkeit! Nicht umgekehrt! Beim Verkehr
    spricht man ja auch vom Verkehrsfluss. Mit der Umkehr von Regeln fördert
    man meist das Chaos – zielbewusst!

  14. 0
    0
    Alexander Schmid am 14.12.2016 - 12:07

    Richtig! Auf den Punkt gebracht. Besonders der Vergleich mit Deutschland.