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Carnet ATA

Unsinnige Bürokratie an der Landesgrenze

Wo liegt der Unterschied, ob ein ordentlich immatrikuliertes Fahrzeug aus eigener Kraft oder auf einem Anhänger über die Landesgrenze transportiert wird? Der Zoll differenziert hier sehr wohl. Das kann der ACS nicht nachvollziehen und fordert von den zuständigen Behörden, diese unnötige Bürokratie zu beheben.

Wer mit seinem Privatauto über die Landesgrenze fährt, kann dies problemlos tun, sofern dieses in der Schweiz immatrikuliert und dementsprechend mit gültigen Kennzeichen ausgestattet ist. Ganz anders sieht es in der Praxis aus, wenn ein Fahrzeug auf einem Anhänger über die Grenze transportiert wird, auch wenn es die gleichen Voraussetzungen erfüllt wie das selbstfahrende.

Offenbar wurde von den zuständigen Behörden einmal definiert, dass es sich in diesem Fall um eine vorübergehende Ausfuhr von Waren handelt. Damit der Besitzer keine Probleme am Zoll bekommt, bleibt ihm derzeit nichts anderes übrig, als sich ein «Carnet de Passages en Douane» (Carnet ATA) zu beschaffen. Dabei handelt es sich um ein Zolldokument beziehungsweise eine Art Reisepass für das entsprechende Fahrzeug. Es berechtigt zur vorübergehenden, zollfreien Ein- bzw. Ausfuhr von Motorfahrzeugen. Um dieses zu erhalten, muss eine Gebühr bezahlt und zusätzlich noch eine Kaution hinterlegt werden. Diese dient der Begleichung einer Zollschuld, sollte das Fahrzeug im Ausland verkauft werden. Das Carnet ATA wird jeweils bei der Aus- und Einfuhr vom Zoll abgestempelt. Gegen das Vorlegen des Dokuments wird dem Besitzer anschliessend die hinterlegte Kaution wieder zurückerstattet.

Tönt ziemlich kompliziert und zeitintensiv, oder? Ist es auch. Und die Gründe dafür sind ebenfalls nicht nachvollziehbar. Wo liegt der Unterschied zwischen einem immatrikulierten Fahrzeug, das die Grenze selbstfahrend passiert und jenem auf dem Anhänger? Schliesslich haben beide mit der Tatsache, dass ein gültiger Fahrzeugausweis vorhanden ist, den Nachweis der Verzollung in der Schweiz erbracht. Somit stellt der Fahrzeugausweis auch ein Zolldokument dar, egal auf welche Art das Fahrzeug die Landesgrenze passiert.

Wir vom ACS sind der Meinung, dass bei dieser unsinnigen Verordnung ein Schreibtischtäter weit über das Ziel hinausgeschossen ist. Deshalb soll sich das verantwortliche Departement oder die Eidgenössische Zollverwaltung dieser Thematik schnellstmöglich annehmen, bei der zuständigen EU-Stelle in Brüssel intervenieren und eine einfachere und deshalb befriedigendere Lösung für alle betroffenen Fahrzeugbesitzer finden.

NR Thomas Hurter
Zentralpräsident
Automobil Club der Schweiz

Autor: Thomas Hurter

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