Les jalons pour un nouveau départ ont été posés

Fokus

Weichen für Neubeginn gestellt

Der Schaffhauser Thomas Hurter (52) ist mit einem Glanzresultat zum neuen ACS-Zentralpräsidenten gewählt worden. An der Delegiertenversammlung vom 16. September 2016 in Langenthal sprachen sich 114 der 118 Stimmberechtigten für den SVP-Nationalrat aus.

Nach einer mehrmonatigen Schlammschlacht soll Thomas Hurter wieder Ruhe und Harmonie in den Automobil Club der Schweiz bringen. Dabei kann der Schaffhauser Nationalrat auf einen starken Rückhalt zählen, wurde er doch von 114 der 118 Delegierten und 18 von 19 Sektionen zum neuen Zentralpräsidenten gewählt. Er war nach dem Rückzug von FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen (35) der einzige verbliebene Kandidat. Hurter löst den bei einer Mehrheit der Verbandssektionen in Ungnade gefallenen Berner Mathias Ammann ab. Er freue sich auf die Herausforderung, betonte der Schaffhauser nach seiner glanzvollen Wahl: „Wichtig ist mir, dass wir nun im Interesse aller ACS-Mitglieder als Team in die Zukunft gehen! Das Geschehene müssen wir schnellstmöglich bereinigen und einen Neubeginn machen.“

Die vakante Stelle des Generaldirektors wird neu ausgeschrieben. Der bisherige Amtsinhaber Stefan Holenstein, welcher Mitte Juni vom bisherigen Direktionskomitee unter der Führung von Ammann im Zuge des Machtkampfes entlassen wurde, hatte im August seinen Verzicht erklärt. Bis mindestens Ende 2016 werden die operativen Geschäfte deshalb von Michael Gehrken auf Mandatsbasis zusammen mit dem Team der Zentralverwaltung in Bern weitergeführt.

Fünf neue CD-Mitglieder

Keine Chance auf eine Wiederwahl ins Direktionskomitee (CD) besassen in Langenthal die bisherigen Mitglieder Luc Pittet (Sektion Waadt) und André von der Weid (Fribourg). Auch Andreas Blank (Bern, Grossrat), Roland Borer (Mitte, Alt-Nationalrat SO) und Fernando Quadri (Tessin) blieben in der offen durchgeführten Wahl chancenlos. Sie waren von der alten Führungsriege vorgeschlagen worden. Die Delegiertenversammlung besetzte fünf der sechs Positionen neu. Neben der Bisherigen Ruth Enzler (Zürich), welche im Sommer von den CD-Sitzungen ausgeschlossen wurde, schafften Julien Broquet (Les Rangiers), René Desbaillets (Genf), Peter Hirn (St. Gallen-Appenzell), Lorenz Imhof (beide Basel) und Beat Studer (Schwyz-Uri) die Wahl ins neue Direktionskomitee. Dass die Südschweiz keinen Vertreter stellt, sorgte für Unmut. Allerdings signalisierte die neue Führung sofort, dass man dies spätestens an der nächsten Delegiertenversammlung zu korrigieren gedenkt.

Rekurse gutgeheissen

Deutlich sprachen sich die Delegierte für die Anerkennung der hängigen Rekurse der Sektion Graubünden und dessen Präsidenten Martin Buchli aus. Diese betreffen den Entscheid des Direktionskomitees (CD) zur Verschiebung der Delegiertenversammlung vom23. Juni 2016, den Entscheid des CD, den Rekursen die aufschiebende Wirkung zu entziehen, sowie die Suspendierung von Ruth Enzler aus dem CD respektive die Nichtigkeit aller CD-Beschlüsse vom 15. Juli bis 16. September 2016. Der Hinweis von Zentralpräsident Mathias Ammann, dass eine Annahme der Rekurse zu weitergehenden gerichtlichen Streitigkeiten führen werde, konnte die Mehrheit der Delegierten nicht umstimmen. Sie stimmten den Rekursen mit 67:41 deutlich zu.

Obschon die Jahresrechnung 2015 mit einem Gewinn von 2258 CHF abschloss, wurde sie von den Delegierten mit 82 Nein- gegenüber 27 Ja-Stimmen und 9 Enthaltungen abgelehnt. Ebenso wurde die Décharge-Erteilung verweigert. Diese ist auf die nächste Delegiertenversammlung verschoben worden. Das Budget 2016 wurde an die Präsidentenkonferenz im November delegiert. Festgehalten werden darf, dass die ACS-Finanzen gesund sind.

Delegiertenversammlung neues Direktionskommittee

Das neue Direktionskomitee (von links): Beat Studer (Schwyz-Uri), René Desbaillets (Genf), Peter Hirn (St. Gallen-Appenzell), Ruth Enzler (Zürich), Julien Broquet (Les Rangiers) und Lorenz Imhof (beide Basel).

Kein Interesse an BDO-Bericht

Während der Schlammschlacht um die Clubführung hatten sowohl das „Ammann-Lager“ als auch das „Wasserfallen-Lager“ jeweils einen unabhängigen Expertenbericht anfertigen lassen, welche die Sachverhalte der vergangenen Monate durchleuchten sollte. Der Untersuchungsbericht des Zürcher Rechtsprofessors Tomas Poledna (Wasserfallen) kam dabei zu anderen Schlussfolgerungen als jener des Treuhandunternehmens BDO Visura (Ammann). An der Einschätzung von Poledna, dass die Delegiertenversammlung vom 23. Juni 2016 in Yverdon-les-Bains rechtens gewesen sei, vermag auch der Entscheid des Regionalgerichts Bern-Mittelland von Anfang September nichts zu ändern. Dieses hatte erkannt, dass Wasserfallen gar nie rechtsmässiger Zentralpräsident des ACS gewesen sei. Die Gerichtspräsidentin begründete ihren Entscheid damit, dass nicht alle Sektionen über die Durchführung der DV vom 23. Juni 2016 informiert worden seien. Deswegen sei diese als nichtig zu betrachten. Dem Antrag von Mathias Ammann, das Gutachten der BDO AG im Rahmen der Delegiertenversammlung in Langenthal präsentieren zu dürfen, erteilten die Delegierten eine Absage.

Darüber hinaus musste der scheidende Zentralpräsident weitere Niederlagen einstecken. So wurde ihm die Tonaufzeichnung der Versammlung ebenso verwehrt, wie eine geheime Wahl des Direktionskomitees. Ammanns hartnäckigster Gegenspieler Martin Buchli, Präsident der Sektion Graubünden, erzwang jeweils Abstimmungen, worauf sich eine klare Mehrheit der Delegierten gegen den Zentralpräsidenten stellte.

Wer bezahlt?

Der Machtkampf im ACS wird die Gerichte in den nächsten Wochen und Monaten weiter beschäftigen. Mehrere Strafanzeigen sind hängig. Im Fokus stehen dabei in erster Linie Mathias Ammann und sein Direktionskomitee sowie der ehemalige Generaldirektor Stefan Holenstein. Insbesondere werden die Richter zu klären haben, wer die beträchtlichen Kosten der Rechtssteitigkeiten wird tragen müssen, die seit der „wilden“ Delegiertenversammlung der abtrünnigen Sektionen vom23. Juni 2016 entstanden sind. Das letzte Kapitel des ACS-Matchkampfes ist noch nicht geschrieben.
Text und Bilder Markus Rutishauser

Als einziger Mobilitätsclub der Schweiz darf sich der ACS über steigende Mitgliederzahlen freuen. Erstmals seit über zwei Jahrzehnten hat der Club in diesem Jahr wieder die Marke von 110‘000 Mitgliedern überschritten.

Facts

Thomas Hurter

Im Nationalrat hat sich der neue ACS-Zentralpräsident Thomas Hurter als Verkehrs- und Sicherheitspolitiker einen Namen gemacht. Während zwei Jahren (bis November 2015) präsidierte er die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrates. Der 52-jährige Schaffhauser wird als kollegial, umgänglich und diskussionsbereit wahrgenommen. Er wurde 2015 als Bundesrat gehandelt. Der zweifache Familienvater ist seit 22 Jahren Mitglied des ACS, seine Frau Vize-Präsidentin der Sektion Schaffhausen. Hurter ist ehemaliger Berufsmilitärpilot, seit 1993 Linienpilot und seit 2002 Inspektor der fliegerischen Berufseignungsabklärung. Aktuell fliegt der Schaffhauser einen A330-Langstreckenjet der SWISS. Zum Ausgleich betreibt er viel Sport und liebt insbesondere das Skifahren und das Rudern.

 

Bilder: Markus Rutishauser

Autor: Markus Rutishauser

Wie gefällt Ihnen der Artikel?:

Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.